Kinder aus suchtbelasteten Familien

Hilfsmöglichkeiten durch Abstinenz- und Selbsthilfeverbände

In den Abstinenz- und Selbsthilfeverbänden ist die Einbeziehung der Angehörigen in die Aufarbeitung der Suchtproblematik ein wichtiger Grundsatz, auch wenn in der Praxis immer noch Hemmschwellen zu verzeichnen sind. Ganz besonders schwierig scheint aber die Einbeziehung der Kinder. Ausgehend von der Erkenntnis, dass Sucht als Familienkrankheit zu verstehen ist, fokussierte das Projekt "Kinder aus suchtbelasteten Familien-Hilfsmöglichkeiten durch Abstinenz- und Selbsthilfeverbände" ganz besonders diese Zielgruppe der „vergessenen Kinder". Wichtig ist es, Kinder aus suchtbelasteten Familien nicht als zwangsläufig therapiebedürftig anzusehen, sondern zu verdeutlichen, dass eine große Chance für Eltern und Kinder gegeben ist, wenn bei der Aufarbeitung der Suchtproblematik die Kinder „mit auf den Weg" genommen werden.

Es wurden Hilfen und Anregungen entwickelt, die

  • den Erstkontakt zu Eltern und die Ansprache der Betroffenheit der Kinder ermöglichen (Faltblatt),

  •  methodische und fachliche Hilfen für eine Kinderbetreuung, z.B. während des Gruppenbesuchs der Eltern, anbieten (Leitfaden),

  • die thematische Erarbeitung des Themenkomplexes „Kinder aus suchtbelasteten Familien" in einer Gruppe/Gemeinschaft ermöglichen - und somit helfen, Gruppenabende zu diesem Thema zu gestalten (Begleitheft zum Film „Nichts für Kinder", verschiedene Informationsmaterialien),

  • Anregungen und Methoden (Konzepte) für die Durchführung von Seminaren (Familienseminare und Seminare für Multiplikatoren/innen) bereitstellen.

Im Verlauf des Modellprojekts wurde deutlich, dass die Bereitstellung von Materialien der Zielsetzung nicht gerecht wurde: Papier allein hilft nicht, das Tabu zu brechen, das über der Betroffenheit der Kinder liegt. Viel wichtiger und notwendiger ist es, dass ehrenamtliche Kräfte (ebenso wie hauptamtliche!) lernen, sensibel und offen mit dieser Thematik umzugehen. Ziel muss es sein, die Erfahrungen und Beeinflussungen von Kindern im suchtkranken Familiensystem benennen zu können, ohne in Schuldgefühlen gegenüber den eigenen Kindern oder in leidvollen Erfahrungen der eigenen Kindheit zu „versinken". Das Durchbrechen des Tabus kann helfen, in der Aufarbeitung der Suchtproblematik die Bedürfnisse der Kinder zu beachten und sie in ihrer weiteren Entwicklung positiv zu stärken.

Darauf aufbauend wurde ein Nachfolgeprojekt unter dem Titel „Den Suchtkreislauf durchbrechen - Begleitung für Eltern und Kinder durch Abstinenz- und Selbsthilfeverbände und -Gruppen" im Zeitraum 1998 - 1999 durchgeführt, dessen primäres Ziel darin bestand, konkrete Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln und deren Umsetzung in den Regionen und Gruppen „flächendeckend" zu initiieren. Dabei war ein wichtiges Anliegen, Eltern in einer sehr frühen Phase ihres Kontakts zur Selbsthilfe bzw. ehrenamtlichen Suchtkrankenhilfe zu erreichen und sie zu motivieren, ihre Kinder in die Aufarbeitung der Suchtproblematik einzubeziehen. Mit ihnen gemeinsam sollten neue Erfahrungsebenen gefunden und den Kindern die Möglichkeit für eigene Erfahrungen und Kontakte (z.B. durch Familienfreizeiten, Kinder- und Jugendgruppen und -aktivitäten usw.) eröffnet werden. Hinter diesem Ansatz steht die Erkenntnis, dass Sucht immer auch eine Beziehungsstörung ist, sowohl zu sich selbst als auch zum und im sozialen Umfeld.

Die Guttempler in Deutschland führen mittlerweile verbandsübergreifende Familienseminare durch, an mehreren Orten wird Kinderbetreuung während der Gesprächsgruppe angeboten, Fachveranstaltungen und Diskussionsrunden werden durchgeführt; Gruppen und Arbeitskreise beschäftigen sich intensiv mit dieser Thematik und ehrenamtliche Suchtkrankenhelfer/innen werden darin geschult, Gespräche mit Eltern über die Betroffenheit der Kinder und über das Thema „Sucht als Familienkrankheit" zu führen. Außerdem gibt es erste Angebote für Kinder/Jugendliche aus Familien mit Suchtproblemen, in denen sie Rat, Hilfe und Begleitung erhalten. Punktuell entstehen in diesem Zusammenhang richtungsweisende Kooperationen mit örtlichen Jugendbehörden, mit Beratungsstellen, Schulen und Kindergärten. Derzeit werden ein Faltblatt für Kinder, deren Eltern trinken, und ein „Gesprächsleitfaden" für die Gesprächsführung mit Kindern entwickelt.

Quelle: DHS

 

 

   
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Last update: 27.05.10 21:18:36 +0200

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