Trinkzwang

Dieser durch die Trinksitte ausgeübte Zwang ist das größte Übel. Man kann in der Gesellschaft Kaffee ablehnen und Kuchen, eine Zigarette und auch ein Eisbein, das nimmt keiner übel; wenn man aber Alkohol ablehnt, ist man unhöflich: "das kannst Du mir doch nicht antun - aber einen kannst du doch mittrinken - du bist ein Heini - du bist 'ne Pfeife - du traust dich nicht!" (So die Männer untereinander) Wenn jemand sagt: "Ich rauche nicht", dann sagt keiner: "Aber eine kannst du doch rauchen!" Aber wenn einer meint: "Ich trinke nicht", dann geht das große Gerede los. Auf der einen Seite sprechen wir doch immer von Freiheit - wenn aber jemand Apfelsaft oder Kaffee trinken will, dann hört die Freiheit schon wieder auf: "Du kannst dich doch nicht ausschließen - ich muß das meinen Gästen vorsetzen." In welchem Gesetzbuch steht das eigentlich?

Aber wie leicht ist man später dabei, den Stab über einen Menschen zu brechen, den man vielleicht selbst einmal auf diese Weise verführt hat. Keiner weiß bei seinem ersten Glas, wie er veranlagt ist ......

Diese Trinkunsitte, dieser Trinkzwang, beruht wiederum darauf, daß Alkohol neuen Durst macht. Wenn fünf Mann nach der Arbeit, am Feierabend, zusammensitzen und ein Glas Bier trinken wollen und einer "eine Lage schmeißt" dann müssen auch die anderen vier "eine Lage" ausgeben. Wiederum: In welchem Gesetzbuch steht das eigentlich? Alle haben fünf Glas getrunken und bleiben länger sitzen, als sie wollten, und richten vielleicht noch Unheil an. Die Männer können nicht tun, was sie wollen, wenn es um Alkohol geht. Wenn einer aber ein Kännchen Kaffee spendiert, so wird dieses eine Kännchen getrunken, alle sagen nur "dankeschön" und gehen nach Hause. Warum? Weil man fünf Kännchen Kaffee nicht hintereinander trinken kann.

Bei einer Hochzeit, einer Geburtstagsfeier oder einem Jubiläum haben die Leute ein Rauschgift im Glas: "Das trinke ich auf dein Wohl, auf deine Gesundheit!" Mit Kaffee oder Saft wird das nicht gemacht, weil man eben - wie gesagt - davon nicht soviel trinken kann. Nehme ich nicht lieber ein Kotelett oder ein Stück Kuchen auf die Gabel und sage: "Das esse ich auf dein Wohl!"? Ich überspitze mit einem solchen Beispiel, um zu zeigen, wie widersinnig dieser Kult um Alkohol ist. Aber wer macht sich darum schon einmal Gedanken!

 

 

   
Disclaimer

Last update: 27.05.10 21:18:37 +0200

Design & Copyright (c) R.Rohde - Alle Rechte vorbehalten